Frank Heiber schreibt: Es ist mal wieder euer Schwarmwissen gefragt. Nachdem durch die Stadt Forst und durch die gute Arbeit der AG Stolpersteine, nun endlich an ehem. jüdische Einwohner*innen unserer Stadt erinnert wird, sind die nächsten Stolpersteinlegungen in Arbeit. Ich recherchiere in dem Zusammenmhang zu dem ehemaligen Tuchfabrikanten und Kaufmann Kurt Rosenthal und seiner Familie. Dieser war seit mindestens 1911 in Forst (als Prokurist der Bad.-Elsässischen Wollfabriken) tätig. Schon vorher war er Inhaber der Firma "Schlesische Decken und Wollwarenfabrik", welche am 7. 11.1911 aus dem HR gelöscht wurde. Im Jahr 1919 gründete er dann seine eigene Firma "Kurt Rosenthal", die in der Heinrichstraße 8 ansässig war. Bis 1936 wurden immer wieder Tuchmuster zur Eintragung im Musterregister angemeldet, welche dann mit Schutzfristen versehen waren. Diese Firma wurde 1938 im Zuge der Arisierung durch den Tuchfabrikanten Franz Mrose übernommen. Kurt Rosenthal kam in Sobibor ums Leben, seine Frau Margarete und die Tochter Henriette wurden in Auschwitz ermordet. Frage: 1. Gibt es Fotos etc. der Tuchfabrik in der Heinrichstraße 8 und was wurde daraus nach dem 2. Weltkrieg. 2. Kennt sich jemand mit den Mustereintragungen aus ? Welche Bedeutung haben die bzw. was sagen die Zahlen zu den eingereichten Artikeln aus ? Ich freue mich über jeden Hinweis und danke im Voraus.
Ergänzung: Ein Foto von der Firma Kurt Rosenthal steht hier:
Frank Heiner schreibt: Hallo in die Runde. Ich recherchiere zur Zeit zur jüdischen Geschichte in Forst ganz allgemein und würde mich über entsprechende Unterstützung freuen. Evtl. Einträge in Adressbüchern etc.
Suche ich Informationen zu einem Rudolf Isaak, er war der erste Vorsitzende der Jüdischen Filialgemeinde in Forst, die sich offenbar zum 01. Januar 1864 gründete und seinerzeit der Synagogengemeinde Guben angehörte.
Suche ich Informationen zu Ephraim Levy. Er fungierte um 1889 als Vorstand des Israelitenvereins in der Filialgemeinde Forst. Er war von Beruf Kaufmann und unterhielt in Forst eine Firma gleichen Namens.
Suche ich Infomatione zu Samuel Warschauer. Er war gemeinsam mit E. Levy der erste Vorstand der Forster Synagogengemeinde und unterhielt in Forst eine Firma selben Namens. Er gehörte evtl. schon seit den Ende 1870er Jahren zu den Forster Einwohnern.
Suche ich Informationen zu M. Aron. Er war der erste Vorsitzende der Forster Synagogengemeinde nach der Eigenständigkeit 1894 und ein Jahr später der Vorsitzende des Israelitischen Wohltätigkeitsvereins. Er starb im Jahr 1901. Es gab in Forst eine Fa. L. Aron (vermutlich Leopold) und später die Fa. L. Aron Nachfolger, in die später der Kaufmann Victor Aron 1896 eingestiegen ist. Die Firma wurde 1910 durch Konkurs aus dem HR gelöscht, war in Berge in der Pförtener Str. 17 ansässig und eine Kunstwoll- und Hutstumpenfabrik. Offenbar gibt es zwischen L. Aron, M. Aron und Victor Aron verwandtschaftliche Beziehungen.
Suche ich Informationen zu einem Herrn Behrendt. Er war seit 1895 gemeinsam mit dem RA Zuckermann und M. Aron im Vorstand der Synagogengemeinde im Jahr 1895/96. Behrendt hatte offenbar eine Tochter Margarete, die im Jahr 1896 den schon erwähnten Vitor Aron heiratete.
Suche ich Infomatione zu Samuel Warschauer. Er war gemeinsam mit E. Levy der erste Vorstand der Forster Synagogengemeinde und unterhielt in Forst eine Firma selben Namens. Er gehörte evtl. schon seit den Ende 1870er Jahren zu den Forster Einwohnern.
Zur Lederwarenhandlung Samuel bzw. Sally Warschauer findet man noch ein Bild im Heft zur Hochwasserkatastrophe 1897. Zu der Zeit befand sich das Geschäft genau gegenüber der Post.
Erneut bitte ich um eure Hilfe. Diesmal zur Familie des ehemals jüdischen Kaufmanns Heinrich Kohn. Dieser war Gesellschafter der 1913 gegründeten Firma Friedrich Schmidt oHG, der 1923 gegründeten Friedrich Schmidt AG und er 1935 gegründeten Friedrich Schmidt KG. Im März 1938 wurde Heinrich Kohn von den Nazis aus der Frirma "gedrängt" und enteignet. In der Broschüre von 1998 "Zur Geschichte der Juden in Forst" ist davon die Rede, dass die Familie Kohn nach der Enteignung 1938 nach Polen abgeschoben wurde. Dies ist unrichtig. Die Familie (Vater, Mutter und die beiden Töchter Helga und Ursula) überlebte den Krieg in Hamburg. Heinrich Kohn verstarb 1946 in Hamburg, seine Frau 1975. Die ältere Tochter Ursula (siehe Foto von 2019) ist heute 103 Jahre alt und lebt in Wien in einem Altersheim. Sie war Gründerin der Gustav-Klimt-Stiftung mit deren Vorstand ich im Kontakt stehe. Nun meine Frage. Die Familie soll in der Friedrichstr. 7 gewohnt haben. Gibt es hierzu Auszüge aus den Forster Adressbüchern und gibt es Fotos zu diesem Gabäude? Gibt es Fotos zur Friedrich Schmidt AG, die eine der bedeutenden Tuchfabrikationen in Forst war? Herzlichen Dank im Vorab.
Mutwillige Zerstörung von Stolpersteinen – Stadt Forst (Lausitz) verurteilt Tat aufs Schärfste Am vergangenen Wochenende wurden zwei Stolpersteine in der Mühlenstraße in Forst (Lausitz) mutwillig beschädigt. Die Gedenksteine erinnern an Erna Perlich, die im Gestapo-Gefängnis Frankfurt (Oder) ums Leben kam, und ihre Tochter Ilse Pick, die in Auschwitz ermordet wurde. Beide Steine wurden mit Gewalt aus dem Gehweg herausgehoben und dabei erheblich beschädigt. Der Fachbereich Betriebshof der Stadt hat die Steine gesichert. Zudem wurde umgehend Anzeige bei der Polizei erstattet. Die Stolpersteine waren erst am 9. November 2024 im Gedenken an das Schicksal der Familie Perlich/Pick verlegt worden. Sie sollen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern und das Andenken an jene wahren, die entrechtet, verfolgt und ermordet wurden. Besonders betroffen macht die Stadt auch der Umstand, dass die Verlegung der Stolpersteine durch das Engagement von Schülerinnen und Schülern der Gutenberg-Oberschule Forst (Lausitz) begleitet wurde. In einer schulischen Arbeitsgemeinschaft haben sich die Jugendlichen intensiv mit der Geschichte der Verfolgten und der Stolperstein-Initiative auseinandergesetzt und somit einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur in Forst geleistet. Bürgermeisterin Simone Taubenek zeigt sich tief betroffen: „Diese Tat ist ein Angriff auf unsere Erinnerungskultur und auf unser menschliches Miteinander. Wer Stolpersteine herausreißt, versucht, das Gedenken an die Opfer zu beseitigen – und das lassen wir nicht zu. Wir stehen als Stadtgesellschaft für Respekt, Würde und eine klare Haltung gegen jede Form von Extremismus.“ Auch der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Ingo Paeschke, äußert sich deutlich: „Die Stolpersteine sind Mahnmale gegen das Vergessen. Dass sie Ziel mutwilliger Zerstörung wurden, ist beschämend und macht uns zugleich entschlossener, unsere demokratischen Werte und das Gedenken an die Opfer des Holocaust zu verteidigen. Diese Tat wird uns nicht entmutigen, sondern bestärken.“ Die Stadt Forst (Lausitz) wird die beschädigten Stolpersteine restaurieren lassen und sich weiterhin aktiv an der Pflege des Gedenkens beteiligen. ➡️ Hinweis an die Bevölkerung: Wer sachdienliche Hinweise zur Tat oder zu den Tätern geben kann, wird gebeten, sich direkt an das Polizeirevier in Forst (Lausitz) unter der Telefonnummer 03562 920 oder an jede andere Polizeidienststelle zu wenden. Jeder Hinweis kann zur Aufklärung beitragen. Fotos: Stadt Forst (Lausitz)/ Bräuer
... Nach dieser Gedenkveranstaltung (8.Mai) fand ebenfalls im Beisein der Bürgermeisterin und weiterer Vertreter aus Politik und Bürgerschaft die erneute Verlegung der Stolpersteine für die Familie Perlich/ Pick in der Mühlenstraße 18 statt. Diese waren im März dem Vandalismus zum Opfer gefallen. Stolpersteine sollen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern und an das Andenken an jene wahren, die entrechtet, verfolgt und ermordet worden sind.
Frank Heiber schreibt: Liebe Geschichtsfreunde. Ich benötige einmal mehr eure Unterstützung bei meiner Recherche zur Jüdischen Gemeinde in Forst. Diese weihte 1914, am 20. September, am Tag des jüdischen Neujahrsfest, ihre Synagoge in der Wasserstr. 6 ein. Vorher befand sich das Betlokal in dem Gebäude Bismarckplatz 1. Frage: Hat jemand Fotos, Bilder, einen Lageplan etc. des letztgenannten Gebäudes und könnte er mir das zur Verfügung stellen ? Herzlichen Dank im Voraus.
Zur Einordnung, wo eigendlich die Straße "Bismarckplatz" war ...
Bismarckplatz ist das Teilstück zwischen dem Lohmühlgraben und der Fleischerei Kleinmichel (Ecke Parkstraße). Die Nr. 1 ist das Grundstück links (nördlich) neben dem Lohmühlgraben. Heute unter dem Wäscheplatz.
Das Grundstück "Bismarckplatz 1" sah mal so aus.
Bevor Perk dort seine Möbelfabrik hatte, stand um 1905 (Stempel der AK) ein anderes Gebäude.
Die Stadt Forst lädt zur dritten Stolpersteinverlegung ein.
Gedenkveranstaltung mit der Stolpersteinverlegung in Erinnerung an die Reichspogromnacht
Am Montag, dem 10. November 2025, laden die Stadt Forst (Lausitz), die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Region Forst (Lausitz) und die Arbeitsgruppe Stolpersteine zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung ein. Anlass ist der 87. Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938.
Die Veranstaltung beginnt um 11:00 Uhr vor dem Wohnhaus in der Cottbuser Straße 17, wo in diesem Jahr Stolpersteine für die jüdische Familie Miodowski verlegt werden. Die Familie lebte einst in Forst (Lausitz) und wurde Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Mit der Verlegung der Steine wird ihrer gedacht und ihre Namen kehren symbolisch an ihren früheren Wohnort zurück.
Die Schülerinnen und Schüler der Gutenberg Oberschule Forst (Lausitz) haben sich in einem schulischen Projekt intensiv mit der Lebensgeschichte der Familie Miodowski auseinandergesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Künstler Nils Oskamp entstanden dabei sowohl informative als auch künstlerische Beiträge, die während der Veranstaltung präsentiert werden.
Die Reichspogromnacht 1938 steht bis heute als Mahnmal für antisemitische Gewalt und staatlich gelenkten Terror. Auch in Forst (Lausitz) wurden am 10. November 1938 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger entrechtet, verfolgt und ihrer Existenz beraubt. Die Stolpersteine erinnern nicht nur an diese Opfer, sondern rufen zugleich dazu auf, sich aktiv für Menschlichkeit und Toleranz einzusetzen.
Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, gemeinsam ein Zeichen gegen das Vergessen und für eine offene, demokratische Gesellschaft zu setzen.
Hinweis:
Eine separate Gedenkveranstaltung am 9. November findet in diesem Jahr nicht statt. Das Gedenken konzentriert sich auf den 10. November – den Tag, an dem die Ereignisse des Novemberpogroms 1938 Forst (Lausitz) erreichten.
Veranstaltungsdatum:
10.11.2025 | 11:00 Uhr
Veranstaltungsort:
Wohnhaus Cottbuser Straße 17 03149 Forst (Lausitz)
Die Stadt Forst schreibt: Gedenkveranstaltung mit Stolpersteinverlegung in Erinnerung an die Reichspogromnacht Am heutigen Montag, dem 10. November 2025, erinnerten die Stadt Forst (Lausitz), die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Region Forst (Lausitz) und die Arbeitsgruppe Stolpersteine mit einer öffentlichen Gedenkveranstaltung an die Ereignisse der Reichspogromnacht vor 87 Jahren. #WeRemember Im Mittelpunkt stand die Verlegung von Stolpersteinen für die jüdische Familie Miodowski, die in Forst (Lausitz) lebte und Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde. Schüler der Gutenberg Oberschule stellten im Rahmen eines Projektes ihre intensiven Recherchen zur Lebensgeschichte der Familie vor und präsentierten gemeinsam mit dem Künstler Nils Oskamp künstlerische und informative Beiträge. Im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft wurden die Stolpersteine als Zeichen des Erinnerns und Mahnens verlegt. Blumengebinde und musikalische Beiträge von Lisa Temesvari verliehen der Veranstaltung einen würdigen Rahmen. Die Reichspogromnacht von 1938 mahnt uns bis heute, jeder Form von Antisemitismus, Hass und Intoleranz entschieden entgegenzutreten – und die Erinnerung wachzuhalten. Das diesjährige Gedenken in Forst (Lausitz) konzentriert sich auf den 10. November – den Tag, an dem die Ereignisse des Novemberpogroms 1938 Forst (Lausitz) erreichten.
Frank Heiber schreibt zur dritten Stolpersteinverlegung: Heutiges Pogromgedenken in Verbindung mit der Stolpersteinlegung für die jüdische Familie von SR Dr. Felix Miodowski und seiner Frau Henriette, geb Jacobius, die Söhne Gerhard und Werner, sowie die Tochter Lotte Miodowski. Dr. Felix Miodowski war über 20 Jahre Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Forst (Lausitz), lange Jahre auch Vorsitzender der OG des "Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" und des Wohltätigkeitsverein "Chewra Kadischa". Er war seit mindestens 1896 in Forst als Allgemeinmediziner tätig, später auch Impf- und Schularzt. 1902 heiratet er Henriette Jacobius aus Breslau und 1904, 1906 und 1908 werden die Kinder Gerhard, Lotte und Werner geboren. Seine Frau ist lange Jahre im Vorstand des "Israelitischen Frauenverein" tätig und auch dessen Vorsitzende. Im Oktober 1938 ziehen Felix und Henriette Miodowski nach Görlitz um, wo der Sohn Werner, die Mutter Bertha, der Bruder Emanuel mit Frau und die Schwester Rosa mit ihrem Mann leben. Henriette ist schwerst zuckerkrank. Deshalb wurden ihr beide Füße amputiert und sie ist einseitig erblindet. So beschreibt es der Schwiegersohn Werner Beer 1999 in einem erhalten gebliebenen Dokument. 1941 werden Felix und Henriette Miodowski, wie auch der Bruder und die Schwägerin in das Lager Tormersdorf bei Rothenburg a.N. zwangsumgesiedelt. Dort ereilt sie die Nachricht vom Tod des Sohnes Werner, der im April 1942 im KZ Mauthausen umgebracht wird. Die Nazis deklarieren den Tod als Folge einer Lungenentzündung. Der Sohn Gerhard, in Forst über 10 Jahre in der Tuchfabrikation tätig, ist in den 1920er Jahren Mitglied im Vorstand des "Jüdischen Jugendbundes" in Forst und aktiv beteiligt am Aufbau der "Jungjüdischen Wander-Bünde" und Leiter, der zum Gau Süd-Ost gehörenden Forster Ortsgruppe. Im Oktober 1937 findet die Verlobung zwischen Gerhard Miodowski und Theresie Nacher statt und wenige Monate später wird geheiratet. Gerhard und Tessi leben nun in Breslau. Beide werden im März 1943 von Breslau nach Auschwitz deportiert, wo sie den Tod durch Zwangsarbeit, Krankheit oder die Gaskammer finden. Zu Beginn 1943 wird das Lager Tormersdorf geräumt und die allermeisten Insassen werden nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert. Einige Wenige kommen noch einmal nach Breslau. Zu ihnen gehören wohl auch Felix und Henriette Miodowski. Henriette verstirbt in Breslau am 08.04.1943 an den Folgen der Strapazen, die ihre angegriffene Gesundheit nicht verkraften. Ihr Mann Felix wird am 09.06.1943 nach Theresienstadt deportiert und von dort am 15.05.1944 nach Auschwitz, wo auch er umgebracht wird. Der Tochter Lotte, die vermutlich zum Ende 1926 den aus Neusalz /Oder stammenden Kaufmann Werner Beer geheiratet hatte, gelingt schweren Herzens 1939 die Ausreise aus Deutschland, nachdem die Firma des Mannes enteignet und "arisiert" wurde. Gelegt wurden die Stolpersteine heute vor dem Wohnhaus Nr. 17 in der Cottbuser Straße, in dem die Familie Miodowski über Jahrzehnte lebte und praktizierte. Herzlichen Dank an all Jene, die heute beigetragen haben, diese Solpersteinlegung zu realisieren und in einem würdigen Rahmen stattfinden zu lassen.
Manchmal ist das zeitliche Format des Forster Geschichtsstammtisches einfach zu kurz. Heute war so ein Abend! Knapp hundert Gäste kamen ins Forster. um etwas zum jüdischen Leben in Forst zu erfahren. Obwohl sich Frank Heiber erst wenige Jahre mit dem Thema beschäftigt hat er einen enormen Wissensschatz dazu zusammentragen. Anhand seiner beachtlich tiefen und detailreichen Forschungen auf der halben Welt, konnte er über die Entwicklung der hiesigen jüdischen Gemeinde, über ihre Protagonisten, über jüdische Vereine und Unternehmer, Geschäfte sowie wichtige Biografien berichten. Ein Vortrag, der durchaus das Potential einer 2 oder 3-teiligen Serie gehabt hätte. Von einer überraschenden Entdeckung sprach Heiber am Ende seines Vortrages. Tatsächlich ist eine Forster Tora-Rolle bis heute erhalten geblieben. Aus Forst gelangte sie nach Shanghai und ist nun im Holocaust Center in Pittsburgh USA ausgestellt. Aber das ist eine gesonderte Geschichte.
Die gerettete Tora-Rolle aus der Forster Synagoge. Sie liegt heute im Holocaust Center in Pittsburgh USA. Lauren Apter Bairnsfather, Geschäftsführerin of the Holocaust Center of Pittsburgh sagt dazu:
Bairnsfathers Lieblingsstück ist die Jakobs Tora, die aus der Zeit vor 1918 stammt. „Dieses Artefakt befindet sich seit vielen Jahren in unserer Sammlung“, sagt sie, „aber dies ist das erste Mal, dass wir es ausstellen konnten. Und es ist riesig. ... Diese Spindeln sind 1,20 Meter lang.“ Bairnsfather sagt, sie bekomme Gänsehaut, wenn sie die Geschichte der Tora und von Jakob Weinblum erzählt, dessen Foto daneben ausgestellt ist: Der siebzehnjährige Jakob lebte mit seiner Familie während der Reichspogromnacht in Forst, Deutschland, und rettete die Tora aus ihrer Synagoge, als diese zerstört wurde. Er und seine Familie flohen nach Shanghai, durften aber nur eine Tasche pro Person mitnehmen. Jakob trug die Tora in seiner Tasche. Nach dem Krieg gelangte die Familie nach San Francisco und dann nach New York. Dort lag die Thora in einem Schrank, während Jakob nach einer Synagoge suchte, die sie aufnehmen würde. Schließlich nahm 1977 die Tree of Life-Sfard Synagoge in White Oak die Thora auf und holte sie für Feierlichkeiten hervor. Zweiundzwanzig Jahre später fand die Thora im Holocaust Center ein neues Zuhause. „Dass wir sie hier haben, ist für die Erzählung der Ausstellung so wichtig, weil sie den gesamten historischen Umfang abdeckt, den wir hier haben”, sagt Bairnsfather. „Die gesamte Zeitachse spricht vom Überleben. Während wir also in dieser Ausstellung Geschichten von Gewalt und Verlust haben, ist dies die Geschichte unseres Überlebens.”
------------------------------------ Zum Schluss hier eine Bitte in eigener Sache. Dieses Forster Zeitzeugen-Forum hat sich über viele Jahre zu einem mächtigen Wissens- und Bilderspeicher entwickelt. Das kostet nicht nur Zeit sondern auch quartalsweise Geld, das an die Miranus GmbH zu entrichten ist. Mit drei, fünf ... Euro könnt ihr Euch beteiligen. Geht nicht einfach an dieser Bitte vorbei, sondern schaut hier: donations.html
Frank Heiber von der Forschungsgruppe Stolpersteine bittet um Hilfe:
Liebe Geschichtsfreunde. Dies ist die Anzeige zur Geburt von Rolf Avellis, dem letzten Inhaber der Firma Gustav Avellis. Ich stehe mit Rolf Avellis' Nachfahrin, Christine Avellis, im Kontakt, bezüglich meiner Recherchen zu ehemals jüdischen Einwohnern in Forst und habe gestern Abend 1 1/2 Stunden mit ihr telefoniert. Und wie es immer so oft war, wurde auch im Haus Avellis nur wenig über die NS-Zeit gesprochen. Deshalb ist das Wissen um die Familiengeschichte bei Christine Avellis nur begrenzt. Sie trägt sich deshalb mit dem Gedanken, im nächsten Jahr Forst zu besuchen und hat mich gefragt, ob ich ihr dann etwas zu Forst erzählen und relevante Orte zeigen kann. Dem möchte ich natürlich nachkommen. Deshalb meine Bitte an euch. Wenn ihr Fotos, Bilder etc., welche die Avellischen Tuchfabrik(en), das oder die Wohnhäuser mit Adressangaben zeigen und sonstige Dokumente wie Geschäftspost, Werbeartikel etc., etc. habt, wäre ich euch sehr dankbar, wenn ihr das mit mir teilen würdet. HERZLICHEN DANK. frank.heiber@t-online.de
Frank Heiber von der Forschungsgruppe Stolpersteine bittet wieder um Hilfe:
Hallo in die Runde. Ich bitte mal wieder um Unterstützung für meine Recherchen zu ehem. jüdischen Einwohnern und Industriellen unserer Stadt. Diesmal geht es mir um die Familie Arnheim. Moritz Arnheim war seit 1882 in Forst ansässig und ab 1883 Mitinhaber der Firma Adolph Graß Nachfolger, gemeinsam mit Julius Wiesenthal. Letzterer dürfte ebenfalls der jüd. Religion zugehörig gewesen sein. Ab 1897 war Moritz Arnheim dann Alleininhaber und im November 1913 stieg er, vermutlich aus Altersgründen, aus der Firma aus und der Kaufmann Max Tielsch tritt ab dann in die Firma als persönlich haftender Gesellschafter ein. Moritz Arnheim verstirbt im Oktober 1919 und wird in Zittau beigesetzt. 1903 war sein Sohn Bernhard Arnheim in die Fa. eingetreten und führte Diese bis zum Juli 1934. Bernhard Arnheim verlässt wohl aus gesundheitlichen Gründen die Firma, seine Söhne Fritz und Heinz treten in die Firma ein, die jetzt als Kommanditgesellschaft eingetragen wird, und ihnen wird Gesamtprocura erteilt. Gleichzeitig wird ein Kommandantist berufen, der namentlich aber nicht genannt wird. Im Juni 1938 wird Fritz und Heinz die Procura entzogen, es läuft die ",Arisierung" der Firma, und zum 01.08.1938 übernimmt der Kaufmann und Fabrikbeditzer Ernst Krüger als persönlich haftender Gesellschafter. Im Rahmen der Pogromereignisse am 10.11.1938 werden Fritz und Heinz Arnheim in Schtzhaft genommen, aus der sie am 14.11.1938 und nachdem ihre Mutter Adele ein entsprechendes Bitt-Gesuch an die Polizei in Forst geschrieben hatte, entlassen. Die geplante Auswanderung nach Australien stand direkt bevor. Am 18.11.1938 verließ die Familie Arnheim Forst (Lausitz), die bis dahin in der Sorauer Str. 67 lebte, und fand tatsächlich in Melbourne eine neue Heimat. Bemerkenswert ist der Umstand, dass Bernhard Arnheim auf den städtischen Friedhof in der Frankfurter Straße, wie auch der Enkel Claus, und nicht auf dem jüdischen Fridhof im Stadtteil Berge beigesetzt wurde. Offenbar lebte die Familie ihre Religion nicht besonders aktiv aus, oder war nur laut den Papieren der jüdischen Religion zugehörig. Dass Bernhard Arnheim zu den Wahlen der Synagogengemeinde 1929 und 1931 als stimmberechtigten Mitglied geführt wird, an den Wahlen aber offenbar nicht teilnimmt, spricht ebenfalls für dieses "lockere" Verhältnis zur jüdischen Religion. Nun meine Fragen: 1. Gibt es Fotos von der Firma A. Graß Nachfolger, welche in der Triebeler Str. 2 ansässig war ? Ungefähr da, wo heute unsere Schwimmhalle steht. 2. Gibt es irgendwelche Geschäftspost ? 3. Gibt es Fotos, Ansichtskarten der Wohnhäuser in der Roßstr. 2 und der Sorauer Str. 67. Letztere Adresse ist heute die Wohnung und Arztpraxis Dr. Jähn. frank.heiber@t-online.de
Wir hoffen, dass dir unser Forum gefällt und du dich hier genauso wohlfühlst wie wir.
Wenn du uns bei der Erhaltung des Forums unterstützen möchtest, kannst du mit Hilfe einer kleinen Spende dazu beitragen,
den weiteren Betrieb zu finanzieren.