Die einst bekannteste Forster Druckerei Emil Hoene gab in der Vorkriegszeit eine Unmenge an gedruckten Erzeugnissen heraus. Darunter gab es jährlich auch diesen Taschen-Fahrplan für die Bahnhofs-Station Forst. Neben den Zug-Abfahrtszeiten fand sich auch in diesen Heften wieder viel Werbung. nicht zuletzt von Hoene selbst. Die erste Seite trägt den Slogan: "Drucksachen sind deine Vertreter, kleide sie gut!".
Dieses Fundstück ist höchstwahrscheinlich ein Geschenk anlässlich dem 40. Jubiläum vom TEXTIMA - VEB Wäschereimaschinenbau Forst. Ein Besteckset mit Jagdmotiven, hergestellt von den "VEB Auer Bestecke- und Silberwarenwerke Aue".
Ein Besuchermagnet war einst das Café bzw. die Gaststätte "Stadt der Rosen" im Eckgebäude Berliner Straße / Sorauer Straße. Vor dem Krieg war hier das vornehme "Café Viktoria". Unser Fundstück ist dieser Rechnungsbeleg vom Mai 1993. 4 Felsenkeller und 1 paniertes Fischfilet schlagen hier mit 19 DM zu Buche. Das waren noch Zeiten...
Einst gab es in Forst eine große Anzahl von Handwerker-Innungen, beispielsweise der Tuchmacher-Innung, Bäcker-Innung, Tischler-Innung, Dachdecker-Innung, Uhrmacher-Innung, Schneider-Innung usw. Unser heutiges Fundstück ist eine Gong-Glocke der Schuhmacher-Innung Forst. Vermutlich genutzt bei Zusammenkünften bzw. Versammlungen.
Frank Owczarekt schreibt zum 102 Fundstück der Woche:
Die Firmenrechnungen und Briefbögen aus alter Zeit waren oft liebevoll, originell und detailverliebt entworfen. So wie dieser Briefkopf der Firma Ch. Beer Joseph, welche in der Frankfurter Straße 33 ansässig war. Ein eher unbekannter Wollabfälle-Betrieb, welcher sich im Laufe des Ersten Weltkrieges bereits auflöste da der Eigentümer zum Militär einberufen wurde. Später fand sich hier die Textilrohstoff-Handlung von August Smoller. Das Gebäude ist inzwischen saniert und beherbergt den Fahrdienst von David Sommer. Wer auf dem Briefkopf genau hinschaut findet auch unsere Schwarze Jule vollbeladen aus der Einfahrt fahren!
Ergänzend schreibt Frank Heiber:
Der Kaufmann Chaim Beer Joseph war einer der viele jüdischen Kaufleute in Forst und seit mindestens 1901 ansässig. Im Juli 1901 verlobte er sich mit Franziska Neustadt aus Kottbus und heiratete sie im Februar 1902. Zuvor hatte er 1901, gemeinsam mit dem ebenfalls jüdischen Kaufmann Ulrich Sternlicht die Firma Sternlicht & Joseph gegründet. Er führte z.d.Z. auch den Namen Bernhard Abend. 1903 und 1906 werden die Töchter Margot und Käte geboren, die im Kindesalter 1912 und 1914 versterben und auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt werden. Die Firma Sternlicht&Joseph wird am 13.März 1908 aus dem HR gelöscht. Am 28.März 1908 wird die Firma Chaim Beer Joseph Wollabfall- und Rohproduktenhandlung ins HR eingetragen. Dass Chaim Joseph im 1. WK gedient hat ist auszuschließen, er ist 1874 geboren und mit Ausbruch des Krieges schon 40 Jahre alt. Belegt ist, dass zum Ende des Jahres 1919 Chaim Beer Joseph in Berlin Charlottenburg ansässig ist, seine Firma in Forst aber fortbesteht. Im Adressbuch von 1932 ist die Familie wieder in Forst ansässig und die Firma wird im Juni 1939 im HR gelöscht. Es ist davon auszugehen, dass die Firma, wie alle jüdischen Firmen, enteignet wurde. Anschließend sind Chaim Beer Joseph und seine Frau Franziska in Berlin, in der Lietzenburger Str. 16 gemeldet und betreiben ihre Ausreise in die USA. Chaim Beer verstirbt zwischen dem 16.06.1941 und dem 26.08.1941 in Berlin. Ob seine Frau die Ausreise anschließend noch geschafft hat ist ungeklärt.
Seit dem 17. Dezember 2023 veröffentlicht Frank Owczarek (Mitglied des Forster Museumsverein) regelmäßig Fundstücke von FORgeSTern. Kleine und große, wertvolle und kitschige, manchmal sogar einmalige Objekte unserer Heimatstadt setzt er für uns in Szene und gibt noch einen übersichtlichen Input hinzu. Nun sind es schon über 100 Fundstücke. Danke für manche Erinnerung, für manches „Aha“ … einfach für eine schöne Unterhaltung. Weiter so. 😉
Beim letzten Geschichtsstammtisch gab uns Thoralf Haß interessante Einblicke ins Forster Sportgeschehen anno dazumal. Dazu gehörte auch das Gauturnfest 1934. Er erwähne dass 20.000 Turner untergebracht werden mussten. Das Fundstück dazu ist diese Wohnungskarte für einen Turner aus Berlin, welcher in der Massenunterkunft in der Volksschule I in der Bahnhofstraße eine Bleibe fand.
Zum 104. Fundstück der Woche schreibt Frank Owczarek
In der Nachkriegszeit gab es eine Anzahlt verschiedener einfachster Mitteilungsblätter wie dem Nachrichtenblatt der Stadt Forst oder auch kleinen Kärtchen wie diesen "Mitteilungsblatt des Kreisvolksausschuß Forst (Lausitz)". Bekannt gegen wurde in diesem Fall neben Terminen auch ein Bericht über 1949 erfolgte Enttrümmerungen in der Stadt. So wurden in 2 Tagen u.a. 51000 ganze und 100 cbm halbe Ziegelsteine geborgen. Auch wird berichtet dass der Ostdeutsche Rosengarten von der Belegschaft der Gartenbauverwaltung in Wiederherstellung ist und bald wieder eröffnen wird.
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