Sven Zuber besuchte dieser Tage Warschau und schickte freundlicherweise diesen Text, die Bilder und die sinngemäße Übertragung der Inschrift. Dafür herzlichen DANK!
Ein stiller Ort in Warschau – Auf den Spuren der Gräfin Maria Anna Franziska von Brühl Bei meinem Besuch in Warschau habe ich eine in der Öffentlichkeit kaum bekannte Persönlichkeit aufgesucht – Gräfin Maria Anna Franziska von Brühl, geborene Gräfin von Kolowrat-Krakowsky (1717–1762). Den mir schon länger bekannten Ort nun auch einmal selbst aufzusuchen, war ein besonderes Erlebnis. Ihr Grabmal befindet sich in der Brühlschen Kapelle der Kapuzinerkirche an der Miodowa-Straße (Kościół Kapucynów pw. Przemienienia Pańskiego, Kapucyni Warszawa), einem Ort, der einst eng mit dem Hof von König August III. von Polen und Kurfürst von Sachsen verbunden war. Maria Anna entstammte der alten böhmischen Adelsfamilie Kolowrat-Krakowsky und war die Gattin von Heinrich Graf von Brühl, dem bedeutenden Premierminister und Vertrauten des Königs und Kurfürsten. Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763), als Sachsen von Preußen besetzt war, residierte der sächsisch-polnische Hof zeitweise in Warschau – und das Ehepaar Brühl prägte das höfische und kulturelle Leben der Stadt maßgeblich mit. Die Gräfin war kunstsinnig und engagierte sich schon zuvor besonders in Pförten (heute Brody): Die sogenannte Mariannenstadt und das Mariannenschloss sind nach ihr benannt. Zeitgenössische Quellen nennen sie – neben Johann Christoph Knöffel und Carl Heinrich von Heineken – als Mitgestalterin des Pförtener Schlossensembles, dessen barocke Inneneinrichtung ihre Handschrift trug Schlosspark Brody (Pförten). Im Mai 1762 starb sie in Warschau im Alter von 44 Jahren. Ihr Gemahl ließ ihr zu Ehren in der Kapuzinerkirche eine Gedächtniskapelle errichten, geschmückt mit einer marmornen Urne, die Jan Chryzostom Redler zugeschrieben wird. Heinrich Graf von Brühl starb ein Jahr später, 1763, in Dresden. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Gruft der Stadtkirche St. Nikolai in Forst (Lausitz). Im Warschauer Aufstand 1944 wurde die Kirche schwer beschädigt, die Brühlsche Kapelle fast vollständig zerstört. Nach dem Krieg vereinfacht wiederaufgebaut, beherbergt sie seit den 1960er-Jahren wieder das Denkmal der Gräfin – ein stiller, kaum bekannter Erinnerungsort. Zwischen Forst (Lausitz) und Warschau spannt sich ein leiser Bogen aus Geschichte und Erinnerung – er verbindet für immer Heinrich und Maria Anna Franziska von Brühl.
Hier die Übertragung der Inschrift vom Denkmal:
„Dem größten und besten Gott. Maria Anna, aus dem Grafengeschlecht Kollowrat, geboren am 4. Tag vor den Nonen des April 1717 (also am 2. April 1717), gestorben am 7. Tag vor den Iden des März 1762 (also am 9. März 1762), der über alles geliebten Gemahlin, mit der er in Eintracht lebte 27 Jahre, 10 Monate und 19 Tage, Heinrich Graf von Brühl, Herr von Ochsie und Nöbr[itz], setzte [dieses Denkmal] seiner Gemahlin, sich selbst und den Nachkommen [zum Andenken].“
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