Text von Brody/Pförten Virtualmuseum mit ergänzendem Material von Stephan Jablonski
Im 19. Jahrhundert war Pförten (heute Brody) nicht nur eine bedeutende Residenz des Adelsgeschlechts der Brühl, sondern auch ein Ort, an dem verschiedene soziale und wohltätige Einrichtungen tätig waren. Zu den wichtigsten gehörten das Armenhaus sowie ein Waisenhaus, das von einem Ordenskonvent geführt wurde. Eine dieser Einrichtungen war das Armenhaus, das vom Grafen Alois von Brühl gestiftet wurde. Das Gebäude befand sich im Bereich der heutigen ul. Romualda Traugutta (früher Gubenerstr. 2) . Das Armenhaus diente als Unterkunft für ältere, kranke und mittellose Einwohner von Pförten, die nicht mehr in der Lage waren, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Solche wohltätigen Stiftungen gehörten im 19. Jahrhundert häufig zur sozialen Verantwortung von Gutsherren und bildeten einen wichtigen Bestandteil der lokalen Armenfürsorge. Eine weitere soziale Einrichtung war das Waisenhaus, das sich in der rechten Seitenflügel (Offizin) des Schlossensembles von Pförten, unmittelbar neben der von den Brühl gestifteten Kirche befand. Die Betreuung der Waisenkinder lag in den Händen der Ordensschwestern der Kongregation „Arme Dienstmägde Jesu Christi“, die auch als Dernbacher Schwestern bekannt waren. Der Orden wurde im Jahr 1851 von Maria Katharina Kasper (1820–1898) im Ort Dernbach im Westerwald gegründet. Sein Hauptziel war die Hilfe für die Ärmsten der Gesellschaft, insbesondere die Pflege von Kranken sowie die Betreuung von Kindern in Waisenhäusern und Erziehungsanstalten. Die Tätigkeit der Ordensschwestern in Pförten war Teil einer breiteren karitativen Bewegung des 19. Jahrhunderts, in der zahlreichen religiösen Gemeinschaften soziale Aufgaben übernahmen. Die Schwestern kümmerten sich nicht nur um Waisenkinder, sondern engagierten sich häufig auch in der Krankenpflege und unterstützten bedürftige Einwohner der umliegenden Dörfer. Obwohl das Armenhaus und das Waisenhaus heute nur wenig bekannte Kapitel der Ortsgeschichte darstellen, zeugen sie davon, dass im damaligen Pförten ein entwickeltes System sozialer Fürsorge existierte. Es beruhte auf der Zusammenarbeit zwischen den Gutsherren der Familie Brühl, der katholischen Pfarrei und den Ordensgemeinschaften, die gemeinsam Verantwortung für die schwächsten Mitglieder der lokalen Gemeinschaft übernahmen.
Noch tiefere Einblicke enthalten die Zeilen aus dem Archiv des Schwesternordens aus Dernbach.
Das rund 260 Jahre alte Wappen erinnert heute noch an diese soziale Einrichtung.