Mehrfach hatte ich schon gehört, dass der 1949 erschienene Roman „Der tanzende Kranich“ einen Bezug zum Dorf Klinge zwischen Forst und Cottbus haben soll. Nach dem es mir nun gelang das sehr seltene Buch zu erstehen, wollte ich der Sache auf den Grund gehen.
Obwohl der Roman in der Lausitz, im Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden spielt und mit dem Steinbruch Koschenberg (heute noch im Betrieb bei Senftenberg) und dem Großer Kuptewuh Teich einige Lausitzer Landmarken hat, blieb mir bis zur letzten Seite der Bezug nach Klinge völlig unklar. Vorweg: Der Roman spielt auch nicht in Klinge! Erst im „Lětopis“ 56 aus 2009 wird der Klinge-Bezug im Beitrag „Sorbisches als handlungstragendes Element im Roman Arnold von Vietinghoff-Riesch und Werner Bergengruen im Vergleich“ von Katharina Elle deutlich.
Dabei geht es um die Romanfigur „Seltermann“, der an den Gutsbesitzer von Klinge Oskar Coester angelehnt ist und wie im Roman einen gezähmten Kranich besaß.
Hier ein Auszug aus dem Betrag von Katharina Elle Vietinghoff-Riesch war oft zu Gast bei Oskar Coester, der 1875 in Osburg bei Trier geboren war und das Schloss Klinge bei Forst gekauft hatte, wo er sich mit seiner Frau und den drei Söhnen niederließ. Schon in Klinge hielt er einen zahmen Kranich. Vietinghoff-Riesch überredete ihn, ihm den stattlichen Vogel zu über- lassen. Die Coesters führten ein reges gesellschaftliches Leben, das aber erlosch, als die Ehefrau plötzlich verstarb. Coesters wirtschaftliche Lage verschlechterte sich zusehends, eine von ihm gegründete Baumschule musste er aufgeben. 1931 wurde Coesters gesamter Besitz in Klinge versteigert. Er zog nach Nappatsch im Kreis Rothenburg an der Neiße, nahe Rietschen in ein Schrotholzhaus, das er „Jagdhaus Weidmannslust“ nannte. Außer ihm lebten dort die Haushälterin Márie Woito (1897–1951) und der gemeinsame Sohn Hans Woito (1921–1999). Auch dort war Vietinghoff-Riesch oft, um die Kraniche rund um Nappatsch zu beobachten. Obwohl Coester mit Márie zusammenlebte, hatte er diverse Liaisons mit gut betuchten Frauen, bei denen er versuchte, Geld zu leihen. 1945 heiratete er Márie, die als still, ergeben, aber voller Würde beschrieben wird. Die Ehe währte nur kurz, denn Coester starb Silvester 1946.
Anmerkung zur Romanfigur „Márie“, die die Hauptfigur des Romans ist. Obwohl es Katharina Elle nicht expliziert erwähnt, ist anzunehmen, dass die Haushälterin von Coester, Márie Woito, ebenfalls aus Klinge stammt, da der Name für Klinge belegt ist. Auffällig ist auch die gleiche Schreibweise von „Márie“ mit dem kleinen Strich (ein Akut) über dem „a“. Der Name wird dadurch auf typisch sorbische Weise auf der ersten Silbe betont.
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