Bei Facebook wurde kürzlich zu den "Keuschen Alpen" diskutiert. Dazu sendete der Vorsitzende vom Forster Museumsverein - Kristian Schmidt - diesen Beitrag an des Zeitzeugen Forum:
Die Keuneschen Alpen in Forst (Lausitz)
Grafik Frank Mädler
Foto Kristian Schmidt, 2003
Überraschenderweise werden die Keuneschen Alpen oft als eine Endmoräne angesprochen, doch wo ist der Rest dieser Endmoräne bzw. welche Eiszeit soll sie gebildet haben? Andere Überlegungen vermuten alte Uferbegrenzungen der Neiße oder Nachkriegs-Schuttberge, die es in Forst durchaus gibt. Auch eine Einordnung in die Geologie des Muskauer Faltenbogens ist nicht zutreffend. Die letzte Inlandvereisung, die sogenannte Weichselkalt(eis)zeit, hinterließ „ihre“ Endmoränen im Gubener Raum, die Taubendorfer Berge sind ziemlich die südlichste Ausbildung. Die Reste dieser Endmoränenzüge setzen sich nordwestlich und südöstlich fort. Das sogenannte Baruther Urstromtal, bei uns als Niederung nördlich vor der Stadt liegend, bildete die wichtigste Abflussbahn der mächtigen Schmelzwässer. In den nachfolgend kalten Klimaten entstanden durch Jahrhunderte andauernde Nord-West-Winde Sandaufwehungen und damit die zunächst vegetationslosen Binnendünen. Heute liegt eine solche bemerkenswerte Landschaftsform, östlich gegenüber dem Forster Wasserwerk mit aneinander gewehten einzelnen Dünenzügen, ca. 10-20 m über Straßenniveau (Abb. 1). Wer den Namen „Koynesche Alpen“ prägte, ist noch heraus zu finden. Im 19. Jahrhundert waren solche Wortübertragungen nichts ungewöhnliches, auch die „Merzdorfer Alpen“ bei Cottbus, ebenso eine Dünenlandschaft, standen synonym für solche sanften Erhebungen. Heimatforscher Paul Decker bezeichnete die „Koyneschen Alpen“ bereits 1925 in einem Vortrag des Heimatvereins Forst als Dünenbildungen (s. a. „Aus der Heimat“ 1925). Die Keuneschen Dünenbildungen sind gegenwärtig als Geotop unter der Nr. 1624 beim Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg mit Sitz in Cottbus registriert. Heute sind solche nacheiszeitlich entstandenen Dünenzüge mit Eichen, Birken und insbesondere Kiefern bewachsen, nur die Kuppen weisen Trockenrasenflächen auf (Abb. 2).
Paul Erdmann Rüdiger, der damalige Besitzer der Forster Stadtmühle, kaufte gegen 1870 einen Rest des Gutes Keune. Er bzw. sein Sohn Paul ließen zwischen 1877 und 1885 den östlichen Teil (zur Neiße hin) der „Keuneschen Alpen“ durch eine Promenade gärtnerisch erschließen, so die Überlieferung. Es entstand der im Volksmund sogenannte „Poetenstieg, auch Poetensteig oder -steg“. Dieser Spazierweg wurde ab 1932 von der Arbeitsgemeinschaft Forst des Volksbundes Naturschutz e. V. Brandenburg betreut, dessen Pflege veranlasst und 1938 weitere Laubgehölze durch die Städtische Gartenverwaltung gepflanzt. 1955 haben die Mitglieder der Forster Natur- und Heimatfreunde im Kulturbund der DDR diesen Naturpfad erneut in Ordnung gebracht. Gegenwärtig ist er stark verwachsen und ungepflegt, aber noch zu erahnen. Ende 1955 stellte der Kreisnaturschutzbeauftragte Ernst Behr den Antrag auf Schutz der Dünenformation in einem Landschaftsschutzgebiet (LSG), um weitere Bebauungen oder industrielle Nutzungen zu verhindern. Bereits um 1931 wandte sich Paul Decker gegen Planungen, diese Dünen abzutragen bzw. gewerblich zu nutzen und betonte deren geologische Besonderheit. Überliefert ist auch, dass Kinder aus Keune dort rodeln gingen, zumindest solange dies dort möglich war. Aktuell sind diese markanten Dünenzüge im LSG „Neißaue“ geschützt eingebunden. Um Forst gab bzw. gibt es zudem weitere bewaldete Dünenbildungen, so z. B. die Katzenberge im NSG „Euloer Bruch“, die bei Mulknitz, bei Groß Jamno oder die abgebaggerten bei Weissagk-Rossow oder Briesnig-Horno. (Literatur: K. Schmidt, Über Naturdenkmale und Geotope im Raum Forst (Lausitz) Einiges über die Natur- und Heimatkunde in der Region Forst (Lausitz) oder Schroeder, Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg, Nr. 10) https://www.geo.tu-berlin.de/fileadmin/i...ehrer10vorn.jpg
"Keunsche Alpen", da erinnere ich mich an meine Kindheit. Zu Pioniernachmittagen wurden dort mitunter auch Geländespiele organisiert und durchgeführt. Aus heutiger Sicht würde ich mal sagen, es waren die Anfänge für eine vormilitärische Ausbildung.