Wer kennt sich aus in Forst? Auf dem Bild erkennt ihr die Büste Ernst Thälmanns. Die Stadt Forst (Lausitz) errichtete Mitte der 50er Jahre zum Gedenken an den Politiker der Weimarer Republik diese Büste auf dem Platz des Friedens. Heute verweilt sie im Stadtarchiv. Aber, wer hat diese Büste erschaffen? Zu welchem Anlass und unter welchen Umständen wurde sie errichtet? Wer weiß mehr zum Thema? Wir freuen uns über eure Kommentare und Hinweise. Meldet euch gern auch direkt bei uns im Museum.
Der Platz des Friedens wurde nach Informationen aus "Karl Schmellintin -Arbeiter, Schutzhäftling, Staatsfunktionär Erinnerungen aus 1986" im Jahr 1950 eingeweiht. Ob da schon die Thälmann-Büste stand ist aber nicht ersichtlich.
So, die ersten interessanten Hinweise zur Thälmann-Büste vom Platz des Friedens trudeln ein.
Die Aufstellung wird um den 10. Todestag, also 1954 vermutet.
Und Thomas Wernicke vom Forster Museum schreibt: Ein Schritt sind wir gemeinsam weiter. Die Büste stammt von der Künstlergruppe »Kranolda«. Dieses Kollektiv setzte sich zusammen aus den Bildhauern KRAuse*, NOlde und DAmerow. Während die Identität von Krause bisher nicht klar ist, sind die Steinbildhauer Fritz Nolde und der Holzbildhauer Erwin Damerow bekannt. Wer initiierte nun den Guss und die Aufstellung in Forst? Wahrscheinlich, vermute ich auch wie Hagen Pusch, zum 10. Todestag Thälmanns. Und wer veranlasste in den 1990er Jahren erst die seitliche Aufstellung und dann die Demontage?
*Anmerkung von mir: In anderen Quellen zur Künstlergruppe "Kranolda" soll das "Kra" für "Kratochwil" stehen.
Eine Büste gleicher Art - Fritz Nolde zugeschrieben kam 2015 unter den Hammer.
------------ Dem Kollektiv "Kranolda" stellt ein weiter Kunstkenner bei fb entgegen:
Jetzt kommen mir doch Zweifel an den benannten Künstlern auf der angegebenen Karteikarte. Und diese Inventarkarte auf der Seite der Deutschen Fotothek ist der einzige Hinweis. Ich würde den Bildhauer Dr. Johannes Friedrich Rogge für diese Büste annehmen wollen. Die Größe, Proportionen und Entstehungszeit passen auffällig zusammen. Und im Katalog der angegebenen 3 Kunstausstellung 1953 im Albertinum in Dresden ist nur er mit einer entsprechenden Büste verzeichnet. Wurde er später aufgrund seiner politischen Unzuverlässigkeit als Urheber „verleugnet“? Eventuell könnte eine Anfrage im „Rogge-Museum“ weiterhelfen. www.rogge-Museum.de -------------
Zudem hier noch eine kleine Entdeckung. Der Sockel war mit verschiedenen Schriftarten gestaltet.
Bis jetzt ist unklar, wann der Thälmann auf den Platz des Friedens kam. Er war nicht gleich 1950 dort. Aucn zu Thälmann 10. Todestag (1954) gibt es keine Nachweis für die Aufstellung.
Vielleicht helfen ja Sekundärquellen, wie Schulchroniken.
Mindestens die Schüler der Goetheschule wurden an dem Denkmal in kleinen Feierstunden von den Jungpionieren zu Thälmann-Pionieren erhoben. Haben das andere Schulen auch so gemacht?
Das müssen zwei verschiedene Aufnahmen sein. Beim ersten Bild erscheint mir die dreistufige Terrasse viel zu groß. Vielleicht täusche ich mich auch? Aber so breit ... man müsste im Hintergrund ja was von der Wand sehen! .... und unser sieht auch dunkler aus... wie eine Bronze und der andere wie irgendein Stein.... oder wurde er mal erneuert?
Zitat von Forsta im Beitrag #6Wenn es eine Bronze ist, würde ich mal in Lauchhammer nachfragen. Dort gibt es doch sicher ein Werksverzeichnis?
Ich erwarte eigentlich auch ein Gießerzeichen ... aber das Museum hat dazu nichts gesagt. Und die Vermutung, dass es sich bei der Bildgegenüberstellung nicht um die gleichen Büsten handelt ist bei fb auch schon angedeutet worden. Ich bin da noch unschlüssig. Hilfreich wäre auf alle Fälle die Aufstellung der Büste herauszubekommen. Das Museum hat schon das Kreisarchiv bemüht und zu relevanten Thälmann-Daten die Zeitungen durchforstet... aber noch ohne Erfolg.
Vom Betreiber des Rogge-Museums kam der Hinweis auf Kranolda. Die Nennung des Namens Kratochwil im Zusammenhang mit der Künstlergruppe bei Wikipedia las ich auch, ohne das klären zu können. Interessant ist wirklich, dass es bisher nicht gelungen ist, eine schriftliche Spur zu finden, an der entlang man weiter recherchieren könnte.
Die Spurensuche geht weiter! Im November hatten wir bereits nachgefragt, wer mehr zum Thema Thälmann-Büste auf dem Platz des Friedens weiß. Großer Dank geht nun an das Kunstgussmuseum Lauchhammer , deren Kustodin, Antje Bräuer, uns wichtige Informationen zum Fall Thälmann-Büste übermittelte: Das Bildhauerkollektiv Kranolda hat diese Büste scheinbar in mehrfacher Ausführung hergestellt. Das Herstellungs- und Vertriebsrecht lag beim VEB Schwermaschinenbau Lauchhammer. Am 1. September 1954 wurde der Auftrag Rat der Stadt Forst zur Herstellung der Büste in Eisen (schwarz, wetterfest patiniert) entgegengenommen. Es musste schnell gehen, denn schon am 18. August 1954 fand die feierliche Einweihung zum 10. Todestag Ernst Thälmanns statt, was ein Artikel der Lausitzer Rundschau belegt. Nun bleiben noch Fragen zur seitlichen Aufstellung in den 1990er Jahren und zur Demontage offen. Lasst eure Hinweise gern in den Kommentaren.
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